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Artgerechte Haltung
Für Neulinge
in der Rattenhaltung habe ich eine PDF Datei erstellt mit allen wichtigen
Punkten, die VOR und NACH der Anschaffung, sowie im Umgang mit den Tieren
beachtet werden sollten. Zu der Datei geht es
HIER
Nachfolgend
weitere Punkte der artgerechten Haltung (einige Überschneidungen gibt es):
-
Ratten sind Tiere für
die Gesellschaft lebensnotwendig ist, deshalb dürfen sie auf gar keinen
Fall einzeln gehalten werden, es sei denn es geht wegen besonderer
Gründe absolut nicht anders (totale Unverträglichkeit (hier reicht
natürlich nicht nur ein Vergesellschaftungsversuch), Dauererkrankungen,
die die anderen Ratten ebenfalls gefährden würde etc, oder eben eine
vorübergehende Einzelhaltung in einem Krankenkäfig (mit späterer
Wiedervergesellschaftung mit Artgenossen)
-
Ein größeres Rudel ist
natürlich besser als nur zwei Ratten, denn die Tiere können sich
aussuchen, mit wem sie spielen möchten, wen sie putzen können oder von
wem sie sich putzen lassen und falls mal eine Ratte stirbt, ist nicht
eine alleine. Ich empfehle Rudel von 3-4 Tieren (bei entsprechend großem
Käfig natürlich). Rattenkäfige müssen sehr groß sein und viele Spiel-,
Kletter-, Lauf- und Versteckmöglichkeiten bieten. Ein Käfig für 2
Ratten muss mindestens eine Grundfläche von 80x50cm und eine Höhe von
80cm haben (Innenmaße), kleinere Käfige sind für eine dauerhafte
Rattenhaltung nicht geeignet!! Außerdem müssen sich im Käfig mehrere Etagen befinden (keine
Gitteretagen! Davon gibt es schnell Fußerkrankungen wie Bumble
Foot die eine lange Behandlung nach sich ziehen), wobei die oberste etwa
in einer Höhe von 140-160cm liegen sollte, damit die Ratten ihre
Umgebung immer im Blick haben können.
-
Wie viele
Ratten in deinen Käfig passen, kannst Du
HIER ausrechnen
lassen. !!Aber Achtung!!
Dort wird immer die maximale Anzahl an Ratten angegeben, es
dürfen auf keinen Fall weniger als 2 Ratten
sein. Einzelhaltung wäre Tierquälerei!
-
Zusätzlich zum Käfig
muss den Ratten täglich mindestens eine Stunde Auslauf gewährt werden,
besser sind 3-4 oder noch mehr Stunden.
Dies kann in einem rattensicheren Zimmer oder in einem extra dafür
gebauten Auslauf sein (eine Anleitung für einen Auslauf der sehr
preiswert und schnell zu bauen ist, findet Ihr
HIER).
In diesem Auslauf sollte sich ebenfalls viel Spielzeug befinden und
natürlich muss er relativ groß sein, so, dass die Ratten auch mal ein
paar Meter rennen können. Während des Auslaufs kann man sich auch selber
zu den Ratten gesellen und sich mit ihnen beschäftigen und spielen, das
festigt die Bindung und hilft, dass die Ratten zahm werden/bleiben.
Neue, noch scheue Ratten sollten noch keinen Auslauf bekommen, wenn sie
die Möglichkeit hätten sich unter sämtlichen Einrichtungsgegenständen zu
verstecken, weil man
sie dann nur schwer wieder einfangen kann. Bei Neuen Ratten sollte also
unbedingt darauf geachtet werden, dass der Raum in dem sie laufen dürfen
der Ratte zwar Versteckmöglichkeiten bietet, dem Halter aber auch die
Möglichkeit sie möglichst unkompliziert wieder zu bekommen, wenn sie
sich erschreckt hat, denn jedes "jagen" ist für sie zusätzlich purer
Stress, je einfacher und schneller es geht, desto angenehmer ist es für
die Ratte.
-
Ratten sollten auch immer
nur gleichgeschlechtlich gehalten werden, denn sie sind mit etwa 5
Wochen geschlechtsreif und werfen durchschnittlich 10-15 Junge. Sofort
nach der Geburt können sie wieder vom Männchen gedeckt werden. Bei einer
Tragzeit von nur 3 Wochen bedeutet das zum einen ständigen Stress der
Mutter, der bis zum Tod führen kann und zum anderen natürlich, das
permanent Jungtiere da sind. Ein einziges Weibchen kann so pro Jahr (bei
einer durchschnittlichen Jungtieranzahl von 12) über 200 Junge bekommen.
Auch eine Haltung von Weibchen mit Kastraten ist möglich, dabei ist aber
zu beachten, dass Böcke teilweise noch 6 Wochen nach der Kastration
erfolgreich decken können. Auch sollten sie nicht aus unberechtigten
Gründen Kastriert werden, da jede Operation ein erhebliches
Gesundheitsrisiko darstellt und gerade bei Injektionsnarkosen viele
Ratten nicht mehr aufwachen. Die einzigen beiden Gründe die für mich
persönlich eine Kastration gerechtfertigen sind entweder gesundheitliche
Probleme (z.B. Hodenkrebs) oder absolute Dominanz und Unverträglichkeit
Artgenossen gegenüber. Dabei ist aber zu beachten, dass auch da eine
Kastration nicht immer den gewünschten Erfolg bringt und ab einem Alter
von 9-12 Monaten selten noch etwas bringt.
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Ich rate davon ab Ratten zu
Vermehren, ohne die nötigen Kenntnisse zur Genetik zu haben, denn bei
Verpaarung bestimmter Farben und Zeichnungen kann es zu Fehlgeburten,
Behinderungen mit baldigem qualvollem Tod (z.B. Megacolon), schlimmen
Qualzuchten etc kommen und im schlimmsten Fall kann auch die Mutter
während der Schwangerschaft sterben.
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Wird eine Ratte zu einer
oder mehreren anderen Integriert, muss dies nach einem bestimmten Schema
ablaufen. Eine Ratte einfach in den Käfig einer anderen zu setzen
kann schnell tödliche Folgen haben und sollte unterlassen werden
(Ausnahme sind Jungtiere bis ca. 12 Wochen, bei ihnen ist es oft
unkompliziert, die Situation sollte aber trotzdem über mehrere Wochen
intensiv beobachtet werden um eingreifen zu können, wenn es doch
Probleme gibt und nicht bei allen Jungtieren klappt das reibungslos,
evt. muss doch eine richtige Integration durchgeführt werden).
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Da Ratten sehr
krankheitsanfällige Tiere sind und viele von ihnen später Tumore bekommen, können auf den Halter früher oder später nicht
unerhebliche Tierarztkosten zukommen, die man nicht unterschätzen
sollte. Sie übersteigen den Anschaffungspreis oft um ein Vielfaches!
-
Ratten mit nach draußen
nehmen? Nein auf keinen Fall!! Farbratten sind keine Tiere, die
draußen gehalten werden können und sie sollten auch nicht kurz z.B.
auf der Schulter mit ins Freie genommen werden, auch, wenn man dies
leider häufig sieht.
Die Gründe wieso man das nicht tun sollte sind folgende:
Zum Einen sind Ratten sehr anfällig
für Atemwegserkrankungen sind, die Gefahr sich draußen zu erkälten
(oder sogar eine Lungenentzündung zu bekommen) ist also sehr groß und
wenn eine Ratte sich einmal erkältet hat wird diese akute Erkrankung
oft schnell zu einer Chronischen die dann oft viele Tierarztkosten
verschlingt.
Abgesehen davon sind Ratten von Natur aus neophob, das bedeutet, sie
haben Angst vor allem Neuen. Ratten sind Tiere die in einem festen
Familienverband in einem festen Revier leben. Sie brauchen also
Sicherheit und Schutz durch ihr bekanntes Revier und durch ihre
Artgenossen. Schleppt man sie in der Gegend rum und das
schlimmstenfalls sogar alleine, fehlt ihnen das. Die Ratte steht
dauerhaft unter großem Stress und hat teilweise Todesangst, wenn ihr
z.B. der Geruch eines Hundes, einer Katze oder eines anderen
Raubtieres in die Nase steigt. Der einzige Grund wieso sie in der
Regel beim Menschen bleibt und nicht flüchtet (wie es ihre Natur
eigentlich vorsieht) ist, dass es der einzige Ort ist der ihr in
diesem Moment einen Funken Sicherheit und Bekanntheit gibt, zu
vergleichen mit ihrem Revier ist das allerdings nicht!
Wenn die Ratte sich aber erschreckt kann es durchaus trotzdem
passieren, dass sie vom Menschen runter springt und weg läuft, sie in
dieser Paniksituation wieder zu bekommen ist fast unmöglich, denn in
solchen Momenten rennen Ratten in der Regel sogar vor ihr bekannten
Vertrauenspersonen weg.
Auslöser können z.B. sein, dass der Mensch von einem Hund oder einer
Katze angesprungen wird, weil er/sie an dem Rattengeruch interessiert
ist oder aber ein Mensch schreit/kreischt, weil er die Ratte enttdeckt
hat (kommt durchaus vor, Ratten sind bei den Meisten nicht sonderlich
beliebt), oder ähnliche Schrecksituationen für die Ratte.
Ratten mit nach draußen nehmen ist also alles Andere als toll für die
Ratte und da das Wohl des Tieres vorgehen sollte bin ich absolut
dagegen Ratten aus ihrer gewohnten Umgebung zu nehmen und ihnen
derartigen Stress anzutun!
-
Dazu kommt, dass die
Farbratten
durch die Haltung in
keimfreien Laboren (wo ihr Ursprung zu finden ist) sehr verweichlicht
sind und gesundheitlich draußen meist schlechter klar kommen als ihre
Vorfahren die Wanderratten.
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Ratten sollten zudem nicht gebadet werden, ebenfalls aus dem Grund,
dass sie sehr anfällig für Atemwegserkrankungen sind. Die geringste
Zugluft kann sie krank machen und wenn die Ratte dann noch nass ist,
kann das schlimme Folgen haben. Wenn es im Sommer sehr heiß ist, kann
man eine Badewanne in den Auslauf stellen mit etwas Wasser drin (so,
dass die Ratte möglichst nur die Füße und vielleicht den Bauch nass
hat). Dabei darf aber keine Zugluft herrschen, weil die Erkältung
sonst vorprogrammiert ist. Außerdem sollten Handtücher bereit liegen
an denen sich die Ratten abtrocknen können. Ratten sind sehr saubere
Tiere und putzen sich sehr gründlich an allen Stellen des Körpers,
daher ist eine Körperpflege durch den Menschen nicht nötig es sei
denn, die Ratte ist alt oder krank und kann sich daher nicht mehr
richtig bewegen oder es handelt sich um eine spezielle Züchtung wie
z.B. Harley (Langhaarratten). Dann kann eine Pflege durch den Menschen
erforderlich sein.
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Die richtige Ernährung ist
ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt. Alle 2-3 Tage sollte frisches Obst
und Gemüse angeboten werden (eine Liste geeigneter Sorten könnt Ihr
HIER sehen).
Mit Leckerlies aus dem Zoohandel sollte sehr sparsam umgegangen werden,
am besten gar nicht geben.
Am Wichtigsten ist natürlich das Hauptfutter. Im Zoohandel gibt es eine
große Auswahl, viele Produkte sind aber wenig geeignet. Ich nehme meine
Rattima Empfehlung hier allerdings wieder raus, denn inzwischen bin ich
diesem Futter gegenüber eher abgeneigt, wieso könnt Ihr HIER nachlesen.
Ich verfüttere nun seit einigen Monaten RUVO Premium ohne Pellets von
Rudloff und bin
damit sehr zufrieden, einziges Manko ist, dass
kein tierisches Eiweiß enthalten ist, deswegen mische ich ca. 1Kg
Katzentrockenfutter in 10Kg RUVO. Ansonsten ein sehr gutes Futter, von
dem ich durchaus überzeugt bin.
Für weitere
Fragen zur artgerechten Haltung, einfach eine Mail schreiben. |